Die Feuerwehr Baiersbronn geht neue Wege, um auch in den kommenden Monaten trotz zahlreicher Straßensperrungen und Baustellen die Einsatzbereitschaft in allen Ortsteilen sicherzustellen. Wie aus dem Umfeld der Wehr zu erfahren ist, wurde auf dem Gelände des Feuerwehrhauses vorübergehend ein Lastenhubschrauber stationiert. Dieser soll im Bedarfsfall Feuerwehrfahrzeuge sowie ausgewählte Sonderausrüstung über den Luftweg an den Einsatzort bringen.
Hintergrund der außergewöhnlichen Maßnahme sind mehrere parallel laufende Baustellen rund um Baiersbronn. Betroffen sind unter anderem wichtige Verkehrsachsen in Richtung Freudenstadt, Murgtal und in einzelne Ortsteile. Durch die Tallage und die teils langen Umleitungsstrecken seien die Anfahrtszeiten in bestimmten Einsatzszenarien nur schwer kalkulierbar.
Nach Angaben aus Feuerwehrkreisen wurde deshalb in den vergangenen Wochen ein besonderes logistisches Konzept entwickelt. Dieses sieht vor, dass bei Bedarf ausgewählte Fahrzeuge nicht ausschließlich auf dem Straßenweg, sondern ergänzend auch auf dem Luftweg verlegt werden können. Besonders für Einsätze in den Bereichen Mitteltal und Obertal könne dies „einen wertvollen Beitrag zur Einhaltung der Hilfsfristen“ leisten.
Technische Details sollen schnelle Verlegung ermöglichen
Beim eingesetzten Hubschrauber handelt es sich dem Vernehmen nach um ein Muster der Schwerlastklasse mit Tandemrotoren, das speziell für Außenlasttransporte geeignet ist. Solche Maschinen verfügen über eine hohe Stabilität im Schwebeflug, mehrere Lastaufnahmepunkte sowie eine große Heckrampe und sind darauf ausgelegt, schwere Lasten präzise aufzunehmen und wieder abzusetzen. Offiziell werden bei diesem Typ Höchstgeschwindigkeiten von rund 170 Knoten und Einsätze auch in anspruchsvollem Gelände genannt – also genau dort, wo Schwarzwaldtopografie und enge Talräume besondere Anforderungen stellen.
Innerhalb der Wehr wird deshalb bereits augenzwinkernd von einer neuen „fliegenden Gerätewagen-Reserve“ gesprochen. Das Besondere am Baiersbronner Konzept sei jedoch nicht nur die reine Transportleistung, sondern vor allem die punktgenaue Verfügbarkeit: Während auf der Straße Umleitungen, Engstellen und Baustellen den Takt vorgeben, soll das neue Luftkonzept Fahrzeuge direkt in die betroffenen Einsatzräume bringen können – theoretisch sogar dort, wo bisher nur noch Wanderer, Mountainbiker oder besonders ortskundige Einheimische zügig vorankommen.
Auch Sonderfahrzeuge aus Freudenstadt sollen eingebunden werden
Besonders interessant ist nach diesem Konzept die Möglichkeit, bei größeren Schadenslagen auch Sonderfahrzeuge aus Freudenstadt kurzfristig nach Baiersbronn zu verlegen. Da die direkte Verbindung zeitweise unterbrochen beziehungsweise nur eingeschränkt nutzbar ist, könnten Spezialkomponenten wie der Gerätewagen-Atemschutz künftig nicht nur auf klassischem Weg, sondern bei Bedarf auch „luftgestützt“ in den Einsatzraum gelangen.
In Feuerwehrkreisen wird bereits darüber gewitzelt, dass damit perspektivisch nicht nur einzelne Baiersbronner Fahrzeuge, sondern im Bedarfsfall auch zusätzliche Technik aus dem Kreisgebiet „eingeflogen“ werden könne – vom logistischen Zusatzmaterial bis hin zu besonders gefragten Sonderfahrzeugen. Ein Vorteil liege dabei auf der Hand: Während auf der Straße weiterhin Sperrungen, Baustellenampeln und Umleitungen den Takt bestimmen, könne die Luftbrücke gewissermaßen eine zweite Einsatzachse schaffen.
Zehn Kräfte bereits geschult
Für den Flugbetrieb seien bereits zehn Kameradinnen und Kameraden in einem abgestimmten Zusatzmodul geschult worden. Vermittelt worden seien dabei unter anderem Grundlagen der Außenlastaufnahme, Luftlagestabilisierung, Einweisung im Schwebeflug sowie die besonders sensible Disziplin des „punktgenauen Absetzens im Schwarzwaldgelände“. Nach nicht bestätigten Informationen soll dabei auch das sichere Auspendeln schwerer Lasten über Hanglagen trainiert worden sein.
Kommandant Martin Frey soll das Konzept intern mit der ihm eigenen Mischung aus Pragmatismus und Humor begleitet haben. Offiziell bleibt man zwar bei der Formulierung, man prüfe stets „alle Möglichkeiten zur Sicherstellung der Einsatzbereitschaft“ – inoffiziell scheint man in Baiersbronn aber längst Gefallen an der Vorstellung gefunden zu haben, dass moderne Feuerwehrlogistik im Schwarzwald künftig nicht nur Räder, sondern im Zweifel auch Rotoren braucht.
Kreisbrandmeister blickt dem ersten „Lufttransport“ entgegen
Besondere Aufmerksamkeit dürfte das Konzept auch auf Kreisebene erhalten. Daniel Schwaderer, der zum 1. April 2026 das Amt des Kreisbrandmeisters im Landkreis Freudenstadt antritt, dürfte nach dieser Lesart gleich mit einer eher ungewöhnlichen Premiere starten. „Mit dem Amtsantritt des neuen Kreisbrandmeisters Daniel Schwaderer könnte schon bald auch der erste interkommunale Lufttransport in den Fokus rücken. Im Feuerwehrumfeld wird augenzwinkernd bereits spekuliert, welches Sonderfahrzeug als erstes den direkten Weg aus Freudenstadt auf dem Luftweg nach Baiersbronn finden wird.“
Lärmschutz und Rücksicht auf Anwohner
Besonderes Augenmerk gelte selbstverständlich dem Lärmschutz. So werde der Flugbetrieb – sofern überhaupt erforderlich – ausschließlich auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt. Geplant seien möglichst kurze Flugzeiten, direkte Anflugrouten und ein sensibler Umgang mit Wohnbebauung, Naturraum und Erholungsschwerpunkten. Aus Rücksicht auf Mensch und Tier solle auf nächtliche Übungsflüge weitgehend verzichtet werden. Lediglich in absoluten Ausnahmefällen – etwa wenn ein Fahrzeug besonders dringend, besonders schwer oder besonders publikumswirksam bewegt werden müsse – könne davon abgewichen werden.
Aus dem Umfeld der beteiligten Stellen verlautet zudem, dass das Konzept verwaltungsseitig „mit besonderem Interesse“ verfolgt werde. Hinter vorgehaltener Hand ist von einem „topografisch ambitionierten, organisatorisch herausfordernden, aber für Baiersbronn in bemerkenswerter Weise naheliegenden Modellversuch“ die Rede.
Im Ort sorgt die Nachricht bereits für Gesprächsstoff. Während einige Bürgerinnen und Bürger die Idee zunächst für einen Scherz hielten, verweisen andere auf die besondere geografische Lage Baiersbronns und die tatsächlich herausfordernde Verkehrssituation in den kommenden Monaten. Dass die Feuerwehr auf ungewöhnliche, aber durchdachte Lösungen setzt, passe aus ihrer Sicht durchaus ins Bild.
Und falls in den nächsten Tagen tatsächlich ein Feuerwehrfahrzeug scheinbar über dem Ort schweben sollte, empfiehlt die Feuerwehr vorsorglich: bitte kurz staunen, einmal schmunzeln – und dann auf das Datum schauen.
